Wissenschaft und Forschung

Studien- und Zulassungsgebühren: Was kostet der Zugang zu den Berliner Hochschulen?

Bildung ist ein Grundrecht, das allen zugänglich sein muss. Das Konzept der unternehmerischen Hochschule treibt jedoch vielerorts die Kosten für ein Studium in die Höhe. Im Bereich der Hochschulbildung errichten Studien- und Zulassungsgebühren Hürden für den sozial gerechten Zugang zu akademischer Bildung. Wie hoch diese Hürden an den Berliner Hochschulen sind, die als erklärter Wille von R2G eigentlich weitestgehend gebührenfrei sein sollen, habe ich im Rahmen einer schriftlichen Anfrage nachgefragt.

Erfreulich ist, dass vorgelagerte Zulassungsgebühren an den Berliner Hochschulen kaum eine Rolle spielen. Negativ fällt hierbei jedoch der Test für Medizinische Studiengänge (TMS) auf, welcher sich bei Vorlage positiv im Auswahlverfahren für die Studiengänge Human-, Zahn- und Veterinärmedizin auswirken kann. Als freiwillige Möglichkeit für die Verbesserung der Zulassungschancen der Studienbewerber*innen deklariert, schlägt er mit 100 Euro zu Buche. Eine Gebühr, die auch bei Zulassung nicht durch die Berliner Hochschulen erstattet wird, da sie von einer externen Einrichtung erhoben wird. Dies unterwandert die Regelung im Berliner Hochschulzulassungsgesetz, welche Gebühren im Rahmen von Auswahlverfahren bewusst bei 25 Euro deckelt. Wie viele Studienbewerber*innen einen TMS absolvieren und für das Auswahlverfahren vorlegen, geht aus den Antworten leider nicht hervor. Das Argument der Freiwilligkeit erscheint bei Studiengängen mit hohem Nummerus Clausus zudem mehr als fragwürdig. Für einen sozial gerechten Zugang zu diesen Studiengängen gehört das gegenwärtige Vorgehen der Hochschulen politisch auf den Prüfstand. Die beteiligten Hochschulen sind hier meiner Überzeugung nach in der Pflicht einen Beitrag zu leisten und die langwierige Entwicklung eines neuen Zulassungsverfahrens schnellstmöglich zum Abschluss zu bringen.

Entsprechend der gegenwärtigen Regelung im Berliner Hochschulgesetz werden für grundständige Bachelor- und Masterstudiengänge keine Gebühren erhoben. Diese Regelung gilt es auch für die Zukunft zu erhalten und vor Versuchen der Aushöhlung aufgrund knapper Kassen zu schützen. Schon heute haben die Berliner Hochschulen jedoch die Möglichkeit kostenpflichtige weiterbildende Masterstudiengänge anzubieten – hiervon machen sie in überraschend umfangreichem Ausmaß Gebrauch. Mit 2.290 Studienplätzen betreiben die Berliner Hochschulen mit den weiterbildenden Studiengängen “nebenher” eine mittlere Privathochschule mit Studiengebühren. Ob hierfür in den letzten Jahren kostenfreie, grundständige Masterstudiengänge in kostenpflichtige, weiterbildende Masterstudiengänge umgewandelt wurden, wird zwar verneint, erscheint jedoch an einigen Stellen mindestens zweifelhaft: z.B. für den Studiengang „Molekulare Medizin“ der Charité, den es vorher in sehr ähnlicher Gestaltung dort gebührenfrei gab.

Für einen Studienplatz in einem weiterbildenden Masterstudiengang werden zwischen 1.081 und 9.900 Euro pro Semester fällig. Dazu kommen oft noch die Immatrikulationsgebühren von aktuell gut 300 Euro pro Semester. Damit verdienen die Hochschulen rund 8 Mio Euro je Semester, bei viersemestrigen Masterstudiengängen und zwei laufenden Studienkohorten erhöht sich der Betrag entsprechend. In einigen dieser Studiengänge gab es in den letzten fünf Jahren überdies eine durchaus nicht unerhebliche Preissteigerung. Die konkrete Antwort, wofür die Gebühren verwendet werden, blieben die Senatskanzlei und die Hochschulen leider schuldig. Um nachvollziehen zu können, ob die Gebühren tatsächlich zur Finanzierung der entsprechenden Studienangebote und ihrer Koordination eingesetzt werden, braucht es hier dringend mehr Transparenz.

Der Blick nach vorne: Studiengebühren als sozialer und volkswirtschaftlicher Hemmschuh abwickeln

Grundsätzlich ist es meine Überzeugung, dass Studiengebühren in jeder Form stark ausgrenzende soziale Hürden für die Aufnahme eines Studiums – aber auch für den Studienerfolg – bedeuten und daher nicht vertretbar sind. Auch wenn es sicherlich ein vertretbares Ziel ist, in bestimmten Bereichen z.B. die zukünftigen Arbeitgeber*innen von hochspezialisierten Fachkräften mit in die Finanzierungsverantwortung von akademischer Ausbildung zu nehmen, sehe ich die Abschichtung dieser Verantwortung durch Studiengebühren auf die einzelnen Studierenden kritisch. Sowohl bei Weiterbildungsstudiengängen als auch bei privaten Angeboten.

Mit einem sinnvoll ausgestalteten Steuersystem wird man sowohl die Firmen und weiteren Arbeitgeber deutlich besser an den Ausbildungskosten ihrer Fachkräfte beteiligen können als über Studiengebühren. Volkswirtschaftlich als auch unter Qualitätsaspekten ist es ebenfalls sinnvoller, nicht den Zugang zu Bildung und Studium mit Gebühren zu belegen, da dadurch ein großes Potential an talentierten, gut ausgebildeten Menschen unserer Gesellschaft verloren geht: Bildung darf nicht abhängig vom sozialen Status sein, sondern muss immer anschlussfähig bleiben.

Studiengebühren gehören ins Steuerrecht – und dort zu denjenigen, die im Anschluss an ihre akademische Ausbildung einen tatsächlichen materiellen Vorteil erarbeitet haben. Dieser sollte über entsprechende steuerliche Abgaben direkt in die Hochschulfinanzierung von Bund und Ländern fließen.

Das ist ein Modell, welches sicherlich nicht im Alleingang umsetzbar ist, aber welches aus Berlin, als Stadt der Wissenschaft und der Bildungsaufsteiger*innen, heraus vorangetrieben werden muss.