Wissenschaft und Forschung

Noch immer Luft nach oben: vierzehnter Bericht über die Umsetzung des Berliner Landesgleichstellungsgesetzes

Das Landesgleichstellungsgesetz verpflichtet seit 1991 die Einrichtungen des Landes Berlin zur Gleichstellung von Frauen und Männern und damit zur aktiven Frauenförderung. Der Frauenanteil ist seither zwar insgesamt kontinuierlich gestiegen, in Führungspositionen sind Frauen allerdings noch immer unterrepräsentiert. Das gilt leider auch für die Berliner Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Im Oktober wurde der vierzehnte Bericht über die Umsetzung des Berliner Landesgleichstellungsgesetzes für den Zeitraum 2016-2018 vorgelegt. Eine gute Gelegenheit, um einen aktuellen Blick auf die Chancen von Frauen im Wissenschafts- und Hochschulbetrieb zu werfen.

Bei den außeruniversitären Forschungseinrichtungen Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC), Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) und der Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW) haben wir im höheren Dienst mehr als 50 % Frauen. Der Blick auf die Leitungsebene zeigt, dass am BIG zwei Drittel der Führungspositionen von Frauen besetzt sind, während beim MDC nur ein Drittel der Fürhungskräfte weiblich sind.

Ähnlich viel Luft nach oben ist auch in der Berliner Professor*innenschaft. 2018 waren nur 32 % der Lehrstühle von Frauen besetzt. Erschreckend ist, dass es trotz zahlreicher Maßnahmen hier seit 2011 (29,5 % Professorinnen) kaum einen Aufwuchs gab. Ähnlich verhält es sich bei den Wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen, die immerhin auf einen Frauenanteil von insgesamt 45 % kommen (2018), der jedoch je nach Hochschulen und Fächergruppe sehr ungleich verteilt ist.

Gliedert man die Reihen der Professor*innen entsprechend ihrer Besoldungsgruppen W1-3 auf, wobei W1 die niedrigste und W3 die höchste Besoldung darstellen, stagnieren die Zahlen leider auch hier. Gegenüber 2011 hat sich der Frauenanteil auf W1 und W2 Professuren sogar verschlechtert. Die TU Berlin, die Beuth Hochschule und die Charité liegen dabei deutlich unter dem Berliner Schnitt.

Auch die Hochschulleitungen sind nach wie vor männlich dominiert. Nur acht der 26 Vizepräsident*innen/Prorektor*innen sind Frauen. Das entspricht einem Frauenanteil von gerade einmal 30 %. In den nicht-wissenschaftlichen Bereichen der Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind dagegen nach wie vor überwiegend Frauen beschäftigt. In der obersten Gehaltsstufe dieser Gruppe ist jedoch wieder nur jede dritte Position mit einer Frau besetzt.

Erfreulich ist, dass sich in den Gremien der Hochschulen annährend so viele Frauen wie Männer engagieren. Aufgegliedert nach Hochschulen zeigen sich jedoch bei der TU Berlin, der Beuth Hochschule und der Hochschule für Musik Hans Eisler noch erhebliche Unterschiede:, bei allen drei liegt der Frauenanteil in den Hochschulgremien unter 40 %.

Diese Zahlen zeigen, dass wir auch im Bereich der Forschungseinrichtungen und Hochschulen noch einen langen Weg bis zur Geschlechtergerechtigkeit sowohl in absoluten Zahlen als auch beim Schließen des Gender-Pay-Gap zu gehen haben. Instrumente wie das Berliner Chancengleichheitsprogramm, Frauenförderpläne und Gleichstellungsbeauftragte bleiben dabei unverzichtbar, um Chancengleichheit zu schaffen. Ebenso ist ein gut aufgesetztes  Genderbudgeting ein wichtiger Schritt in diesem Prozess. Für uns Grüne gilt weiterhin: Mindestens 50 % der Macht den Frauen, auch in unseren Wissenschaftseinrichtungen!