Wissenschaft und Forschung

Nachgefragt: Studien- und Zulassungsgebühren an Berliner Hochschulen

Mehr Hochschulbildung ist seit vielen Jahren die Maxime in unserer Wissensgesellschaft. Doch Obwohl Studien- und Zulassungsgebühren ein sozialer und volkswirtschaftlicher Hemmschuh für die Aufnahme eines Studiums sind, reißt die Debatte über ihre Notwendigkeit nicht ab – auch auf das Risiko hin, dass unserer Gesellschaft so ein großes Potential an talentierten, gut ausgebildeten Menschen verloren geht. Mit zwei schriftlichen Anfragen beim Senat habe ich die aktuellen Studien- und Zulassungsgebühren an den Berliner Hochschulen abgefragt.

Die gute Nachricht zuerst: Erfreulicherweise spielen vorgelagerte Zulassungsgebühren an den Berliner Hochschulen kaum eine Rolle, wie meine schriftliche Anfrage von Anfang 2021 gezeigt hat. 

Die schlechte Nachricht ist, dass es davon jedoch auch fragwürdige Ausnahmen gibt: Der kostenpflichtige Test für Medizinische Studiengänge (TMS) ist ein anschauliches Beispiel dafür. Mit Kosten von 100 Euro pro Test, die Studienbewerber*innen selbst schultern müssen, wenn sie ihre Chancen auf einen der begehrten Studienplätze in Humanmedizin, Zahnheilkunde und Veterinärmedizin erhöhen wollen. Wie stark sich der Test tatsächlich auf die Zulassung auswirkt, zeigt meine neuerliche Anfrage. Erneut nachgefragt habe ich auch zur konkreten Verwendung der nicht unerheblichen Studiengebühren für weiterbildende Masterstudiengänge durch die Berliner Hochschulen. Die teilweise überraschende Ausgabenverteilung macht klar, mehr Transparenz ist hier dringend geboten.

Erfolgreicher zugelassen mit dem kostenpflichten Test für Medizinische Studiengänge

Seit dem Sommersemester 2020 wird der TMS als neues Auswahlkriterium in den Studiengängen Humanmedizin und Zahnheilkunde an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und im Studiengang Veterinärmedizin an der Freien Universität Berlin genutzt. Meine Anfrage zeigt, je höher die Bewerber*innenzahlen desto mehr steigt der Druck einen kostenpflichtigen TMS bei der Bewerbung mit einzureichen. So legten im Rahmen der Zulassungsverfahren im Sommersemester 2020 und 2021 rund 30 Prozent der Bewerber*innen für Humanmedizin und Zahnheilkunde einen TMS vor. Zum Wintersemester 2020/21 stieg nicht nur die Gesamtzahl der Bewerber*innen deutlich an, auch die Quote jener, die sich mit TMS bewarben, nahm um gut zehn Prozent gegenüber dem Sommersemester zu.

In allen angegebenen Zulassungsrunden hatten Bewerber*innen mit TMS deutlich bessere Chancen einen Studienplatz zu bekommen. So wurden mehr als zwei Drittel aller Studienplätze in medizinischen Studiengängen an Bewerber*innen mit TMS vergeben. Ohne TMS sinken die Chancen auf einen Studienplatz dagegen erheblich. Die deutlich höheren Zulassungszahlen von Bewerber*innen mit TMS belegen den impliziten „Zwang“, einen TMS abzulegen und lassen die Freiwilligkeit ihn abzulegen doch mehr als fragwürdig erscheinen. Dieser erhebliche Einfluss auf die Zulassungschancen zeigt für mich ganz deutlich, dass wir dringend ein neues, kostenfreies Zulassungsverfahren brauchen, um die Benachteiligung und Diskriminierung sozial benachteiligter Studienbewerber*innen zu verhindern. Hier sehe ich die Hochschulen in der Pflicht, die langwierige Entwicklung eines neuen Verfahrens schnellstmöglich zum Abschluss bringen. 

Lehr- und Verwaltungspersonal – wohin fließen die Gebühren weiterbildender Masterstudiengänge

Für weiterbildende Masterstudiengänge können die Berliner Hochschulen Gebühren erheben. Pro Semester werden für einen Studienplatz zwischen 1.081 und 9.900 Euro fällig, wie meine Anfrage von Anfang 2021 gezeigt hat. Die konkrete Antwort, wofür die Gebühren verwendet werden, blieben die Senatskanzlei und die Hochschulen damals schuldig. Um nachvollziehen zu können, ob die Gebühren tatsächlich zur Finanzierung der entsprechenden Studienangebote eingesetzt werden und damit direkt den Studierenden in den entsprechenden Programmen zu Gute kommen, habe ich mir die Ausgaben nach Personalkosten, Sachmittelausgaben und Gemeinkostenpauschalen für die Abdeckung indirekter Kosten aufschlüsseln lassen. Die Kostenverteilung ist an etlichen Stellen überraschend.

Erwartbar wird mit mehr als 70 Prozent ein Großteil der 2019 eingenommenen Gebühren für Personal aufgewendet, Sachmittel und Gemeinkostenanteile fallen dagegen weniger ins Gewicht. Die Kosten für Lehrpersonal und Personal für die Koordination und Verwaltung variieren jedoch zwischen den weiterbildenden Masterstudiengängen erheblich. Besonders viele Mittel für Lehrpersonal werden in den Masterstudiengängen der Kunsthochschule Berlin Weißensee, sowie dem International Dispute Resolution Master der Humboldt-Universität und dem Master Wissenschaftsmanagement/Wissenschaftsmarketing der Technischen Universität Berlin eingesetzt. Extrem hoch sind dagegen mit über 76 Prozent der Gesamtausgaben die Ausgaben für Koordination und Verwaltung in den Masterstudiengängen Global Production Engineering (Technische Universität), Molekulare Medizin (Charité) und Sicherheitsmanagement (Hochschule für Wirtschaft und Recht). Sie gehören hinsichtlich ihrer Notwendigkeit für die Studienqualität auf den Prüfstand.

Kostenpflichtig nicht gleich kostendeckend: Das Saldo weiterbildender Masterstudiengänge

Stellt man die jährlichen Einnahmen und Ausgaben wie in meinen beiden Anfragen angegeben gegenüber, fällt auf, dass die Hochschulen mit einigen Masterstudiengängen erheblich Plus machen. Die beiden größten Einnahmequellen sind der Master Global Production Engineering der Technischen Universität mit 1,45 Millionen Euro pro Jahr und der Master of Business Administration der Hochschule für Wirtschaft und Recht mit 2,12 Millionen Euro pro Jahr. Etliche der weiterbildenden Masterstudiengänge sind dagegen jedoch nicht kostendeckend gestaltet und damit für die Hochschulen Zuschussgeschäfte. Vor allem die Masterstudiengänge Real Estate Management der Technischen Universität und Rechtswissenschaft für Rechtsfachwirte der Beuth-Hochschule für Technik schlagen mit jeweils rund 410.000 Euro und 233.000 Euro Minus pro Jahr zu Buche. Schaut man sich das Gesamteinnahmen und -ausgabenverhältnis aller weiterbildenden Masterstudiengänge je Hochschule für das Jahr 2019 an, wird dieses zusätzliche Studienangebot für die Beuth-Hochschule für Technik, die Universität der Künste und die Kunsthochschule Berlin Weißensee zum Verlustgeschäft. Mit Blick auf die ohnehin schon unzureichende Grundfinanzierung der Hochschulen ist es in meinen Augen zwingend notwendig hier eine kostendeckende Nachsteuerung vorzunehmen.