aktuelle Beiträge

Meine Rede zum Frauentag 2021

Liebe alle,

heute ist der internationale Frauenkampftag und ich freue mich, dass wir uns alle hier versammeln, um für Frauenrechte zu demonstrieren. Denn das ist auch im Jahr 2021 dringend notwendig! Noch immer leisten Frauen pro Tag durchschnittlich 1,5 h mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer. Kindererziehung, Pflege von Angehörigen, Hausarbeit, Ehrenamt: Wenn es unbezahlte Arbeit ist,leisten Frauen den Hauptteil! Und das ist nur der private Bereich, der sogenannte Gender-Care-Gap. Die typischen Frauenberufe sind deutlich schlechter bezahlt. Frauen verdienen im Schnitt fast 20% weniger als Männer in unserer Gesellschaft. In zwei Tagen ist Equal Pay Day. Bis zu diesem Tag im Jahr arbeiten Frauen aufgrund der Lohnungleichheit sozusagen unbezahlt.

Care-Arbeit ist gesellschaftlich nicht anerkannt. Und das ist absurd. Egal ob Erzieherinnen, in der Kranken- oder Altenpflege, ob Hebamme, Kassiererin oder Reinigungskraft. Die Pandemie hat gezeigt, wie systemrelevant diese Frauenberufe sind. Doch bezahlt werden sie nicht entsprechend ihrer Bedeutung. Fürsorgearbeit wird schlecht entlohnt und ist auch immer noch nicht familienfreundlich organisiert. Im Gegenteil: Die Pandemie bedeutet einen gesellschaftlichen Roll-Back, das Multitasking, die Reduzierung der Arbeit für die Kinderbetreuung, die aufreibenden Nachtschichten, um alles unter einen Hut zu bekommen – das trifft Frauen ungleich härter als Männer und es wird uns als unsere „Rolle“ auch noch ganz selbstverständlich zugeschrieben. Arbeitgeber*innen akzeptieren es schlichtweg kaum, wenn Männer hingehen Sonderurlaub zur Kinderbetreuung nehmen wollen – bei Frauen wird hingegen nahegelegt jetzt auf die Karriere zu verzichten und sich um die Kinder zu kümmern. Das muss sich ändern!

Schaut Euch die Zahlen an: Frauen haben im Schnitt die deutlich besseren Abschlüsse, sind sozial kompetenter und enorm leistungswillig, trotz Mehrfachbelastungen. Trotzdem bekommen sie die schlechteren Jobs, werden schlechter bezahlt und weniger befördert. Auf allen Ebenen setzt sich das fort – je mehr Einfluss, desto weniger Frauen. Egal ob in der Wirtschaft, Aufsichtsräten, Schulleitungen, in der Wissenschaft, in Ministerien – überall greifen die Männernetzwerke. Politik wird in der überwiegenden Mehrheit von alten Männern ohne Kinder oder Fürsorgepflichten gemacht. Kein Wunder, wenn sich in unserem Land so wenig für die Chancengerechtigkeit von Frauen ändert! Daher ist es wichtig: 50 % der Macht den Frauen. 50% des Geldes, der Ressourcen – aber auch der Zeit!

Vielfältige Studien zeigen: Eine 30 Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich ist absolut ausreichend und meistens sogar besser sowohl für die Arbeitsleistung als auch das Wohlbefinden. Daher brauchen wir dies, damit die Familien- und Care-Arbeit auch noch ins Leben passt. Für Frauen UND Männer! Frauen müssen, egal welchen Beruf sie ausüben wollen, das gleiche Gehalt wie ihre männlichen Kollegen. Und die typischen Care- oder Frauenberufe müssen deutlich besser bezahlt werden. Wir brauchen aber auch Quoten in allen Bereichen, in denen Entscheidungen getroffen werden – egal ob in der Politik oder in der Wirtschaft oder Wissenschaft. 50% der Macht ist sehr ernst gemeint – nur so kommen wir aus dem Teufelskreis der Diskriminierung raus.

Deswegen: Geballter Feminismus für eine gerechte Gesellschaft!