aktuelle Beiträge Allgemein Wissenschaft und Forschung

Meine Rede zum CDU-Antrag “Kein Genderzwang an Berliner Hochschulen“

Lieber Herr Dregger, Lieber Herr Grasse, Lieber Herr Dr. Hausmann.

Oder wäre das „Liebe Frau Dregger, Liebe Frau Grasse, Liebe Frau Dr. Hausmann?“, wenn ich Ihren Antrag lese?
So ganz ohne Anrede und Vornamen würde mir das aus der Unterzeichnung ihres Antrags gar nicht klar, wie ich sie ansprechen sollte, würde ich sie nicht in persona kennen. Allein die Zugehörigkeit zur CDU ließe mich aber wohl doch vermuten, dass die männliche Anrede mehr als nahe liegt. „Gendergerecht“ wäre das aber wohl noch lange nicht. „Genderneutral“ wird sogar im Formular Ihres Antrags, wenn auch nicht im Antragsinhalt umgesetzt, da haben Sie wohl noch zu lernen.

Aktuell stärken wir als R2G die Diversität im Berliner Hochschulgesetz, aber bei der CDU scheinen noch immer nur männliche Studenten Probleme durch den Verzicht auf gendergerechte Sprache zu haben – wie Ihr Antrag zeigt. Studieren heißt dazulernen, auch sprachlich. Liebe CDU, für ihr Hausaufgabenheft: Student – Studentin – Studierende!


Ich finde es großartig, dass es mittlerweile gut ausgearbeitete und praxistaugliche Handreichungen und Leitfäden zur Verwendung gendergerechter Sprache an den Berliner Hochschulen gibt. Sie sind Teil der sprachlichen Evolution und gesellschaftlichen Weiterentwicklung, die den führenden Bildungseinrichtungen unseres Landes gut zu Gesicht steht.
Wenn künftige Akademiker*innen dadurch für eine gendergerechte Sprache sensibilisiert werden, ist dies ein Gewinn für Diversität und Gleichstellung. Verbindliche Regelungen zur Verwendung des Gendersternchens in Prüfungen? Gibt es nicht, wie sie in ihrem Antrag immerhin selbst erkannt haben. Sollten einzelne Hochschullehrende aus den Leitlinien eine Pflicht gefolgert haben, so habe ich größtes Vertrauen in die entsprechenden Gremien der Hochschulen, diese Einzelfälle adäquat zu klären. Denn: Es gibt durchaus Bereiche, bei denen das Ziel „Erwerb der Fähigkeit gendersensibel zu handeln und sich auszudrücken“ Teil des Kompetenzprofils ist. Dann ist das nur folgerichtig und Teil der Vermeidung von Diskriminierung.

Einer „ausdrücklichen Klarstellung, dass die Handreichungen und Leitfäden der Berliner Hochschulen zur Verwendung gendergerechter Sprache lediglich empfehlenden Charakter haben“ bedarf es daher nicht. Es wäre sogar kontraproduktiv und ein Eingriff wiederum in die Freiheit von Forschung und Lehre. Aber! Werte CDU. Lassen sie mich eines ausdrücklich klarstellen: Wissenschaft braucht präzise Sprache. Gendergerecht wird sie zum geeigneten Kommunikationsmittel für alle Menschen! Ich weiß, das ist Ihnen noch fremd. Dieser Antrag hier ist leider nur genau eines: Wahlkampfgetöse um Stimmen im Rechten Lager einzufangen. Und ich kann Ihnen schon jetzt verraten – so etwas tragen wir Grünen nicht mit.

17. Juni 2020