Berliner Hochschulgesetz Corona-Virus

Forschung in der Krise – Wissenschaft mit nachhaltigen Personalstrukturen gut für die Zukunft aufstellen

Ein Virus ist in der Welt und das gewöhnliche Leben schaltet in den Notbetrieb. Während Hochschulen gezwungen sind Präsenzveranstaltungen einzuschränken, soll der Forschungsbetrieb soweit wie möglich weiterlaufen. In den für die Krise relevanten biomedizinischen Bereichen wird die Arbeitslast sogar drastisch erhöht und ad hoc mit enormen finanziellen Mitteln unterlegt, wie die Bereitstellung von EU Krediten in Höhe von bis zu 80 Millionen Euro für das Pharmaunternehmen CureVac, umfängliche Förderaufrufe des BMBF und Förderung der Berlin University Alliance für das „Corona Virus Pre-Exploration Project“ zeigen.

In der Krise dominieren somit pragmatische Relevanzfragen, während im Forschungsalltag die Suche nach Mitteln zur weiteren Finanzierung des eigenen Forschungsprojektes und der eigenen Stelle häufig überwiegt. Dauerhafte und verlässliche Beschäftigungsverhältnisse kennen die überweigende Zahl der Wissenschaftler*innen nicht. Sie hangeln sich über kurz- oder mittelfristige Projektfinanzierungen den wissenschaftlichen Karriereweg entlang, nie wissend, ob dieser nicht früher oder später jäh endet. Die Unterfinanzierung der Hochschulen über die Landeshaushalte, aufgestockt durch die Projektfinanzierung über Bundes- und EU-Mittel, sogenannte Drittmittel, schafft ein Forschungsprekariat. In diesem perspektivischen Unsicherheitsraum sollen die am besten ausgebildeten Köpfe unseres Landes dann möglichst produktiv Erkenntnisse, Theorien und verwertbare Produkte hervorbringen. Der Zwang, sich ohne verlässliche Entwicklungsperspektiven fortlaufend um die nächste Finanzierung für die eigene Forschung und die eigene Lebensgrundlage kümmern zu müssen, schafft einen Kreislauf der Selbstausbeutung in der Wissenschaft. Wie nachhaltig kann eineunter diesen Umständen betriebene Forschung sein?

Insbesondere die mediale Präsenz von Forscher*innen in der Coronakrise verdeutlicht einmal mehr, wie sehr unsere Gesellschaft auf Erkenntnisse und die Beratung der Wissenschaft angewiesen ist. Entsprechend fair sollten Beschäftigungsverhältnisse und Karrierewege ausgestaltet sein, um unsere Gesellschaft gut für zukünftige Entwicklungen und Krisen zu wappnen.

Auch wenn die Folgen der Coronakrise enorme finanzielle Mittel binden werden, sollten die Entwicklung und die Finanzierung verlässlicher, wissenschaftlicher Karrierewege nicht einfach den Zwängen der Zeit geopfert werden. Umstrukturierungen beim Personal und die Einführung von Personalentwicklungskonzepten an den Hochschulen, durch eine Novellierung des Berliner Hochschulgesetzes, könnten hier viel bewirken. Neben Dauerstellen im akademischen Mittelbau für Wissenschaftler*innen mit und ohne Promotion, sollen verschiedene Qualifizierungsmöglichkeiten – wie zum Beispiel im Rahmen einer PostDoc Stelle als Hochschuldozent*in – Chancen für die individuelle Weiterentwicklung eröffnen.¹ Auf diese Weise werden der akademische Betrieb und die Forschung unabhängig von reinen Qualifizierungszwängen. Gleichzeitig werden so attraktive Karriereperspektiven eröffnet. Eine derart gestärkte Personalstruktur macht die Forschung zu einer soliden Partnerin der Gesellschaft für zukünftige Entwicklungen.

¹ gruene.berlin/nachrichten/das-berliner-hochschulgesetz-fuer-moderne-nachhaltige-lehre-und-forschung-neu-aufstellen